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was kommt. Trends erkennen, Wissen bündeln und an den Herausforderungen wachsen: Was uns umtreibt, sind die digitalen Fragen der Zeit. Insights, Studien und Papers zur digitalen Transformation stehen hier.

Barrierefreie Websites – Wie alle Nutzer davon profitieren

Barrierefreiheit ermöglicht manchen überhaupt erst den Zugang zu Web-Angeboten, verbessert für viele deren Nutzbarkeit und bedeutet für niemanden einen Nachteil. Denn Accessible Design schafft bessere Lösungen für alle und zahlt sich positiv auf SEO (Suchmaschinenoptimierung) und die UX einer Website aus. Dennoch führt die Vielzahl der Anforderungen der Barrierefreiheit oft dazu, dass Unternehmen ganz darauf verzichten.
Wie Sie die Herausforderung annehmen, Ihr Web-Angebot barrierefrei zu gestalten und so auch die digitale Teilhabe aller fördern, erfahren Sie hier.

„Um auch künftig online sichtbar zu sein und positiv wahrgenommen zu werden, sollten Sie Barrierefreiheit frühzeitig in den Fokus nehmen.“Nina Scharfenberg, UX Expertin

Barrierefreies Internet, BITV, WCAG – was steckt dahinter?

Barrierefreies Internet bedeutet, dass digitale Angebote allen Menschen zugänglich sind. Und zwar unabhängig von den technischen Möglichkeiten oder Einschränkungen beim Sehen, Hören, Bewegen oder dem Verarbeiten von Informationen – seien diese Einschränkungen nun dauerhaft oder temporär. Barrierefreie Websites sind also letztlich wichtig für jeden Benutzer einer Website.

Die Standards für barrierefreie digitale Inhalte sind in den WCAG (Web Content Accessibility Guidelines) festgelegt. Sie stehen im Zentrum zahlreicher Richtlinien und Spezifikationen, die zur Förderung eines barrierefreien Internets erarbeitet wurden. Auf dieser Basis ist u.a. auch die BITV (Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung) entstanden, die die praktische Umsetzung dieser Richtlinien in Deutschland gesetzlich verankert.

Behörden sind durch das BGG (Gesetz zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen) dazu verpflichtet, die Anforderungen der BITV 2.0 umzusetzen. Damit bekommt das Thema nach und nach den Stellenwert, der für eine digitale Teilhabe aller notwendig ist.

Mögliche Barrieren im Internet sind z.B.:

Technisch: Verwendung assistiver Hilfsmittel, älterer Browser und Text-Browser oder eines kleinen Displays, lange Ladezeiten bei geringer Bandbreite etc.

Visuell: leichte bist starke Sehschwäche, Blindheit, Farbsehschwäche, hohe Sonneneinstrahlung etc.

Auditiv: Taubheit, temporäre Beeinträchtigung des Gehörs, laute Umgebungsgeräusche etc.

Motorisch: gebrochene oder fehlende Körperteile, schlechte Feinmotorik z.B. durch Alter, Gipsarm etc.

Informationsverarbeitung: Lernschwierigkeiten, Sprachbarrieren für Nicht-Muttersprachler etc.

Mögliche Barriere im Internet Illustration
Visuell, auditiv, motorisch ... Barrieren gibt es in im Internet viele. Website-Betreiber sollten Sie alle bedenken.

Checkliste: So wird Ihre Website barrierefrei

Die folgenden Punkte helfen bei einer ersten Einschätzung des Status Quo einer Website: Wie barrierefrei ist der Web-Auftritt? Sie bilden die wichtigsten Faktoren der WCAG für barrierefreie Websites ab: Wahrnehmbarkeit, Bedienbarkeit, Verständlichkeit und Robustheit (Kompatibilität):

  • Ist die Website responsiv und sind die Inhalte skalierbar?
    Eine barrierefreie Website ist auf allen Devices gut lesbar. Der Inhalt ist auch bei starker Vergrößerung noch gut lesbar und erkennbar.
  • Ist die Struktur der Seite sauber aufgesetzt?
    Damit sich Menschen mit Sehbehinderung auf der Seite orientieren können, sind Strukturelemente semantisch ausgezeichnet. Dazu gehören z.B. die Navigation und Seiteninhalt sowie darin befindliche Elemente wie Überschriften, Listen oder Zitate.

  • Ist die Sprache leicht verständlich?
    Kurze, verständliche Sätze und überwiegender Verzicht auf Fremdwörter sorgen dafür, dass die Inhalte jeden Website-Besucher erreichen.

  • Sind Texte gut lesbar?
    Hohe Kontraste und die Berücksichtigung von Farbfehlsichtigkeiten stellen eine gute Lesbarkeit für jeden sicher – auch z.B. bei mobiler Nutzung mit direkter Sonneneinstrahlung.
  • Sind Bildtexte vorhanden?
    Wenn Bilder mit Alternativtexten versehen sind, können diese via Screenreader vorgelesen werden. So können auch blinde Menschen die Inhalte erfassen.
  • Sind Bedienflächen einfach auswählbar?
    Links und Schaltflächen sollten nicht zu klein sein, damit sie z.B. auch mit einem Finger auf dem Tablet oder Smartphone einfach ausgewählt werden können.
  • Sind Formulare barrierefrei gestaltet?
    Damit alle Kunden Kontakt aufnehmen oder eine Online-Bestellung aufgeben können, sind barrierefreie Formulare unverzichtbar. Dafür müssen Beschriftungen von Formular- und anderen Eingabefeldern eindeutig und verständlich sein.

BITV-Test: Wie Sie Barrierefreiheit testen können

Eine frühe Evaluation der Website hilft dabei, Barrieren zu finden, wenn sie noch einfach zu beseitigen sind – idealerweise schon während der Entwicklung. Mit einem BITV-Test wird Accessibility vor allem aus einer technischen Perspektive betrachtet. Er basiert auf dem vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales entwickelten Testverfahren der BITV und stellt sicher, dass die Accessibility-Richtlinien erfüllt sind und das digitale Angebot jedem zugänglich ist. Sei es mittels eines Screenreaders/Sprachausgabe, Braille-Zeilen, Video-Untertitel oder alternativer Bedienoberflächen wie Tastatur-, Augen- oder Sprachsteuerung.

Der BITV-Test kann als Selbsttest durchgeführt werden (vergleichbar mit einem Expert Review) und umfasst 60 Prüfschritte. Eine Reihe automatisierter Testwerkzeuge unterstützen bei der Evaluation. Zu den Prüfkriterien gehören u.a. Alternativtexte für Bedienelemente, Grafiken oder Captchas, Video-Untertitel, der korrekte Einsatz von HTML-Strukturelementen, ausreichende Kontraste von Texten, abschaltbarer Ton, Verzicht auf Schriftgrafiken, Tastaturbedienbarkeit, aussagekräftige Linktexte oder auch eine konsistente Navigation. 

Um sicherzustellen, dass die Website optimal auf die Bedürfnisse der Zielgruppe ausgerichtet ist, sollte ein barrierefreies digitales Angebot idealerweise auch in einem UX-Test mit Menschen mit Behinderung getestet werden. Die jeweiligen Rahmenbedingungen der Testpersonen sind dabei von besonderer Bedeutung – sowohl die Fähigkeiten im Umgang mit Programmen wie z.B. dem Browser, als auch die eingesetzten Hilfsmittel sollten bekannt sein.

Weil alle davon profitieren: Gründe für barrierefreie Websites

Barrierefreiheit ist kein Luxusgut. Nur in einem barrierefreien Web gibt es einen gleichberechtigten Zugang und gleiche Möglichkeiten für alle, wie es in der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung gefordert wird. Mit Barrierefreiheit wird digitale Teilhabe möglich – unabhängig von Hard- und Software, Sprache, Kultur, Ort, physischen oder kognitiven Fähigkeiten. Eine barrierefreie Website ist für alle Besucher hilfreich, da sie immer auch benutzerfreundlich, intuitiv bedienbar, lesbar und verständlich ist.

Abgesehen davon gibt es viele Überschneidungen mit anderen Disziplinen wie mobiles Webdesign, Usability, Suchmaschinenoptimierung oder auch Design für ältere Nutzer. Aus Business-Sicht gibt es also starke Argumente für Accessibility:

  • Vertrieb steigern: In einer Gesellschaft, die immer älter und vielfältiger wird, erreichen Sie dauerhaft mehr potenzielle Kunden
  • SEO stärken: Sie unterstützen die Suchmaschinenoptimierung Ihrer Website und erhöhen Ihre Reichweite
  • UX verbessern: Mit einer barrierefreien Gestaltung Ihrer Website steigern Sie die Nutzerfreundlichkeit – auch auf mobilen Endgeräten
  • Nutzer zufriedener machen: Durch einen selbsterklärenden Aufbau und verständlichen Inhalt erhöhen Sie die Kundenzufriedenheit
  • Vorbild sein: Übernehmen Sie mit einer barrierefreien Website soziale Verantwortung und tragen Sie zu mehr digitaler Teilhabe bei
Barrierefreiheit Illustration
Abstände, Schriftgrößen, Iconsprache, Kontraste ... haben Sie Ihre Website so designt, dass jede*r sie verstehen kann?

Warum Barrierefreiheit im Web immer auch auf SEO (Suchmaschinenoptimierung) und UX einzahlt

Barrierefreiheit ist ein Schritt in Richtung Nutzerzentrierung und Suchmaschinenoptimierung. Wer Menschen mit Behinderung in den Fokus nimmt, schärft seinen Blick für grundlegende Qualitäten einer Webseite, die sich positiv auf SEO und die User Experience einer Website auswirken, z.B.:

  • Leichte und intuitive Bedienbarkeit hilft allen Website-Besuchern
  • Responsivität und Skalierbarkeit sind wichtige Grundpfeiler der Barrierefreiheit. Vor allem die Qualität der mobilen Website ist ein wichtiger Ranking-Faktor
  • Die Trennung von Layout und Inhalt sowie flache Hierarchien verringern die Ladezeit der Website – ein zentraler SEO-Faktor
  • Semantische Auszeichnungen und eine klare Strukturierung der Inhalte erhöhen die Maschinen-Lesbarkeit und damit die Chance auf ein gutes Ranking
  • Einfache Texte sind für jeden leichter verständlich und transportieren die Inhalte effektiver
  • Mit hohen Kontrasten sind Ihre Texte immer gut lesbar – auch auf dem Smartphone bei direkter Sonneneinstrahlung
  • Untertitel machen Videos, Alternativtexte machen Bilder zugänglich, sowohl für Menschen als auch für Maschinen
  • Sprechende Links gewährleisten, dass Links auch außerhalb ihres Kontextes verständlich sind und ermöglichen z.B. Tastasturbedienbarkeit. Auch das zahlt auf SEO ein

Für viele Website-Betreiber stellt Accessibility eine große Herausforderung dar. Um in einer diversifizierten und digitalen Welt auch künftig online sichtbar zu sein und positiv wahrgenommen zu werden, sollten sie Barrierefreiheit frühzeitig in den Fokus nehmen und schrittweise in den Entwicklungsprozess integrieren.

Was können wir für Sie tun?

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Timo Wirth

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