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was kommt. Trends erkennen, Wissen bündeln und an den Herausforderungen wachsen: Was uns umtreibt, sind die digitalen Fragen der Zeit. Insights, Studien, und Papers zur digitalen Transformation stehen hier.

Was bringst du heute mit? Die Empathie-Erweiterung für Stand-ups

10. September 2016 / Team

Wie durch eine einfache Frage aus agilen Robotern wieder Menschen werden können. Ein Anti-Roboter-Programm.

Check-In Grafik

Wenn man Scrum im Team über einen langen Zeitraum routiniert anwendet, kann es sich leicht so anfüllen: "Wir sind die agilen Roboter in unserer Scrum-Fabrik. Gespeist von Tickets und Backlogs. Gesteuert von Jira bewegen wir uns in Schwimmbahnen. Automatisiert treffen wir uns allmorgendlich zu unserem Stand-ups, sagen routiniert unsere Sätze auf: Was hab ich gemacht? Wo gibt es Probleme? Was mach ich als nächstes? … und immer so weiter ... Wir sind die agilen Roboter unter Kontrolle unserer Tools und Prozesse … (inspiriert durch: Damon Albans Everday Robots).

Aber worum ging es eigentlich nochmal beim agilen Arbeiten?

Um uns als Menschen: "Individuen und Interaktionen mehr als Prozesse und Werkzeuge." (Mehr über das agile Manifest). Was unterscheidet Menschen von Robotern? Emotionen.

Wir bei interactive tools wollen Menschen sein, nehmen Menschen wichtig. Lasst uns das Menschliche wieder in den agilen Prozess bringen. Lasst uns lachen, lasst uns schwach sein, schlechte Laune haben, gestresst sein, über den öffentlichen Nahverkehr schimpfen, Fehler machen, Erdbeeren mitbringen oder von der Sonne erzählen. All das können Roboter nicht. Dafür müssen wir nicht die ganzen agilen Prozesse zerstören. Es reicht das Menschliche zu reaktivieren und an den Anfang zu stellen.

 

#Wir-bewegen-uns

Wir bei interactive tools bewegen uns hin zu einem evolutionären Unternehmen. Mit #wir-bewegen-uns labeln wir Aktionen, Workshops, Methoden und Formate, die uns dabei helfen besser interdisziplinär zusammen zu arbeiten - agil, selbstorganisiert, mit geteilter und gemeinsamer Verantwortung. Das Ganze ist ein Weg bei dem wir viel ausprobieren, entwickeln und zulassen. Wir sind offen und achtsam. Wichtig ist uns dabei, dass wir nicht fertige Programme von oben installieren, sondern uns situativ und iterativ vorwärts bewegen: verstehen, neu denken, Ideen entwickeln, verdichten und ausprobieren. Wenn die Idee funktioniert, verbreiten wir sie oder sie sich selbst weiter. Wir hinterfragen dabei unsere Arbeitsweise immer wieder: Wie machen wir das?

    Anfangen mit Check-In zum Stand up

    Ein ganz simples Mittel, um mehr Menschlichkeit in den agilen Prozess zu bringen, ist erstmal einchecken bei jedem Stand up. Einfach den typischen drei Fragen (Was hast du heut gemacht? Was hält dich auf? Was machst als nächstes?) eine Frage voranstellen: Was bringst du heute mit? Als Antwort ist alles erlaubt. Hier ein paar Auszüge aus realen Stand ups mit Menschen:

    • "Ich bring gute Laune mit, endlich Sonne!"
    • "Ich bin bin aufgeladen - endlich mal lange genug geschlafen."
    • "Muskelkater!"
    • "Ich bin total genervt, hab heute mit dem Schienenersatzverkehr über ‘ne Stunde hierher gebraucht."
    • "Ich fühl mich leicht, bin heute mit Fahrrad gekommen und easy durch den Mauerpark gecruist."
    • "Frohe Kunde: Der Kunde hat Paket 2 beauftragt."
    • "Bin gestresst. Ich weiß gerade nicht, wo ich anfangen soll."

    Menschen müssen nicht draußen bleiben

    Jetzt könnte man konservativ kritisch einwerfen: Was hat das Team und jeder einzelne davon? Wir sind hier doch nicht bei einer Selbsthilfegruppe. Arbeit ist Arbeit. Privates ist privat. Die Leute sollen schließlich ihre Arbeit machen. Ja, richtig. Aber das können sie besser, wenn Menschen nicht draußen bleiben müssen.

    Auch wenn wir es wollten, wir können unser privates Selbst nicht ausschalten. Unser Verstand funktioniert nicht wie Schubladen: Die Arbeit-Schublade auf und die Privatleben-Schublade zu. Unser Verstand ist eine Denkmaschine, die stetig verknüpft und produziert, ein Netzwerk von Gedanken, Erinnerungen, Sorgen, Wünschen und Ideen.

    Dagegen können wir ankämpfen und versuchen unser Selbst zu unterdrücken, indem wir in uns in eine scheinbar professionelle Arbeits-Rolle drängen, wie dies über Jahrhunderte in der traditionellen Arbeitswelt von uns verlangt wurde und auch heute noch in den meisten Unternehmen von uns verlangt wird. Oder wir können unser Selbst in seiner Ganzheit akzeptieren und das chaotische Potenzial kreativ nutzbar machen. Studien, Erfahrungsberichte und unsere eigene Arbeit bei interactive tools zeigen: MitarbeiterInnen arbeiten als Menschen in selbstorganisierten Teams produktiver und kreativer.

    „Das Team steht im Fokus, nicht mehr der Einzelne - Arbeitsprozesse bewegen sich in Schleifen, nicht mehr linear, und der Arbeitsplatz wird zu einem flexiblen Ort der kreativen Zusammenarbeit, nicht mehr ein Ort des Einzelkämpfertums. “Ulrich Weinberg, 2015:71
    „Das Check-in hilft dabei, das Team in den Vordergrund und zusammen zu bringen: "Checking-in/out invites each member in a group to be present, seen and heard, and to express a reflection or a feeling. Checking-in emphasizes presence, focus and group commitment."“Hyper Island zu Checking-in

    Das Anti-Roboter-Programm wirkt

    Das Einchecken kann ein erster wichtiger Baustein sein, um Ganzheit zu zulassen und Mensch zu sein. So wirkt das Anti-Roboter-Programm:

    1) Ganzheit statt Rolle

    Durch das Einchecken bekommt jeder das Gefühl: Ich darf hier Mensch sein. Ich muss mich nicht verstellen. Ich muss mich nicht hinter einen professionellen Maske verstecken.

    2) Emotionen statt Sachlichkeit

    Es ist okay, schlecht gelaunt, genervt oder im Stress zu sein. Es gehört dazu, eine schlechte Nacht gehabt zu haben, weil z.B. das Kind in der Nacht wach war. Niemand muss was verstecken. Andersrum ist es ist wunderbar, wenn ich anderen Freude und Leichtigkeit mitbringen oder die anderen im Team mich mit guter Laune anstecken.

    3) Verständnis im Team statt Konfliktpotenzial als Einzelkämpfer

    Das Teilen von schlechter Laune hat zwei große Vorteile: (1) Verständnis schaffen (2) Konfliktpotenzial abbauen. Versteckter Stress und weggedrückte Müdigkeit bieten viel Stoff für Konflikte auf Nebenschauplätzen.

    Ein reales Projektbeispiel: Ein Kollege kam jeden morgen relativ knapp zum Stand up und war meist mies gelaunt. Das führte zu Unsicherheit im Team: Einige fragten sich, mache ich was falsch? Ist er über mich verärgert? Läuft im Projekt was schief? Die Zusammenarbeit mit diesem Kollegen war schwierig und das Zusammenspiel im Team litt.

    Als wir den Check-in in den Stand-up eingeführt haben, stellte sich heraus: Die Ursache für seine miese Laune war der öffentliche Nahverkehr. Er empfand seine morgendliche Weg zur Arbeit meist als Tutor. Indem er offen darüber sprechen konnte, machte er sich Luft. Es war okay, genervt zu sein und das Teilendürfen allein wirkte bei ihm schon stressmindernd. Das Team konnte jetzt gut damit umgehen, da jeder wusste, ich hab nichts mit der schlechten Laune zu tun. Nach ein paar Tagen entwickelte sich die Sache weiter zum Running Gag. Humor gegen Stress: was besseres gibt es nicht.

    4) produktive :-) statt ineffiziente :-|

    Wenn Leute ganz Mensch sein können, dann geht es ihnen besser. Es fühlt sich für jeden besser an und macht vieles leichter. Müssen Leute ihr "Ich" vor den Kollegen verstecken, denn "man ist ja schließlich bei der Arbeit", führt das zu Enge, Schwere, Unlust und Unproduktivität. Wenn Menschsein und Ganzheit zugelassen wird, wirkt sich auf das ganze Team und sowohl auf seine Produktivität als auch seine Kreativität aus. Laloux beschreibt das produktives Wir-Gefühl als magisch.

    „Was dann geschieht ist magisch. An einigen dieser Arbeitsplätze gibt es eine Energie und Lebendigkeit (...). Die Kollegen entdecken entdecken voller Staunen, wie viel mehr Leben in ihnen steckt. “Laloux 2017:91

    Wir sind die Menschen

    Nach dem Stand-up arbeiten wir als Menschen zusammen weiter. Denn dafür ist ein Stand-up da. Es geht nicht darum, dass jeder seine Sätze aufsagt, sondern darum Anschlusskommunikation herzustellen und Zusammenarbeit schnell sowie einfach zu organisieren: zu unterstützen, zu inspirieren, um gemeinsam voranzukommen. Durch Mensch sein, können wird das Team zu einem sicheren Raum für produktive und kreative Zusammenarbeit machen. Try to be Mensch. Weitere Mittel um die Menschen in den Vordergrund zu stellen:

    Try to be Mensch: Die Ganzheit- und Empathie-Serie

    Timo Wirth beim Design Thinking Workshop

    Timo Wirth ist spezialisiert auf empathische Organisationsentwicklung und bei interactive tools Programm Director für interdisziplinäre Zusammenarbeit und agiler Coach.

    Wir freuen uns auf dich!

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