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was kommt. Trends erkennen, Wissen bündeln und an den Herausforderungen wachsen: Was uns umtreibt, sind die digitalen Fragen der Zeit. Insights, Studien und Papers zur digitalen Transformation stehen hier.

"Ich hab noch nie sowas Esoterisches, Hippiemäßiges gemacht, war richtig gut" - Mit Reflexionen wertschätzendes Feedback geben

17. September 2016 / Team

Wer hat Angst vor Feedback? Jeder. Was würde sich ändern, wenn Feedback nicht bewertend wäre und von oben herab stattfinden würde? Wenn Feedback stattdessen von Wertschätzung und Verbundenheit geprägt ist und gemeinsam, gegenseitig im Team gegeben würde? Alles. Jetzt kann Feedback zur persönlichen selbstbestimmten Weiterentwicklung führen.

Reflexionen-Zettel

Wie sind wir zu einem Format für direktes, wertschätzende Feedback gekommen?

Am Anfang stand ein ungutes Gefühl. Wir haben bei interactive tools im Zuge von #wir-bewegen-uns schon viel für bessere Zusammenarbeit in agilen und selbstorganisierten Teams getan. Dazu passen die klassischen Mitarbeiter-Jahres-Gespräche, in denen der Vorgesetzte den Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin bewerten und Feedback geben, einfach nicht mehr.

 

#Wir-bewegen-uns

Wir bei interactive tools bewegen uns hin zu einem evolutionären Unternehmen. Mit #wir-bewegen-uns labeln wir Aktionen, Workshops, Methoden und Formate, die uns dabei helfen besser interdisziplinär zusammen zu arbeiten - agil, selbstorganisiert, mit geteilter und gemeinsamer Verantwortung. Das Ganze ist ein Weg bei dem wir viel ausprobieren, entwickeln und zulassen. Wir sind offen und achtsam. Wichtig ist uns dabei, dass wir nicht fertige Programme von oben installieren, sondern uns situativ und iterativ vorwärts bewegen: verstehen, neu denken, Ideen entwickeln, verdichten und ausprobieren. Wenn die Idee funktioniert, verbreiten wir sie oder sie sich selbst weiter. Wir hinterfragen dabei unsere Arbeitsweise immer wieder: Wie machen wir das?

Weg von alten Formaten

Ein Mitarbeitergespräch, bei dem es darum geht seinem Teamleiter zu gefallen, sich gut zu präsentieren um absurde Ziele abzuwehren oder um mehr Gehalt zu verhandeln, brauchen wir nicht mehr. Wir wollen ein Format, das unseren kooperativen Geist widerspiegelt. Das uns ermöglicht offenes, faires, wertschätzendes und direktes Feedback zu geben – im Team und öfter als einmal im Jahr.

„Was wäre, wenn wir versuchen würden, diese Gespräche nicht aus Angst zu führen, sondern aus tiefer Verbundenheit, aufrichtigen Interesse und echter Wertschätzung? “Laloux 2017:107

Philosophie & Setting einer Reflexion

Inspiriert durch Laloux’ Ausführungen zu Leistungsbeurteilung in “Reinventing Organizations” haben wir zu uns ein passendes Feedback-Format entwickelt, das wir Reflexion nennen. Die Basis für die Reflexion in der Gruppe sind Verbundenheit, aufrichtiges Interesse und Wertschätzung. Die Reflexion ist für und von den Mitarbeitern. Sie soll als Basis oder Lebensraum zur persönlichen und fachlichen Weiterentwicklung dienen.

Wichtig sind dabei das Setting und die Atmosphäre: Niemand muss sich verstellen, etwas vorspielen oder sich auf eine Rolle zurückzuziehen. Niemand muss Angst haben aufgrund seiner Offenheit oder dem Äußern von Zweifeln sanktioniert zu werden. Wir reden und geben uns Feedback als Menschen und Kollegen. Wir geben uns produktives, achtsames Feedback. Bei produktivem Feedback hat folgendes nichts zu suchen: verurteilen, anprangern, Schuldzuweisungen, Detail-Diskussionen und Rechtfertigungen.

Schritt für Schritt: Der Ablauf einer Reflexion

Eine Reflexion macht eine Gruppe von 3-8 Leuten.

  • Alle Personen, die mitmachen erhalten und geben Feedback. Feedback funktioniert so:
  • Eine Person hört zu, alle anderen geben ihr reihum Feedback auf 2 Fragen:
    • Was schätze ich besonders an der Zusammenarbeit mit Dir?
    • Was ist der Bereich in dem du dich entwickeln oder wachsen kannst?
  • Das Feedback ist subjektiv und speist sich aus persönlichen Projekterfahrungen. (Es geht nicht darum den anderen im Gesamten zu beurteilen oder zu bewerten.)
  • Nachdem alle ihr Feedback gegegeben haben, Ist der oder die Nächste dran, die zuhört.
  • Zusätzlich zu den Leuten aus dem Team gibt es eine neutrale Person, die das Gesagte auf ein Poster bringt.
  • Sind alle durch, schauen wir uns gemeinsam die Poster an: alles lesbar, alles verständlich, fehlt was Wichtiges.
  • Die Poster sind das Eigentum der MitarbeiterInnen. Sie können damit machen was sie wollen. Keiner macht Fotos oder Kopien für die Personalakte. Jeder kann für sich entscheiden, was er mit dem Feedback über sich macht.

Hier ein paar Leitfragen die jeder verwenden kann, um für sich mehr aus den Postern herauszuholen und selbstimmt eine persönliche Entwicklung abzuleiten:

  • Was hat dich überrascht?
  • Gibt es was, über das du immer noch nach denkst?
  • Was nimmst du aus den Gesprächen mit?
  • Worauf möchtest du in Zukunft deine Aufmerksamkeit richten?
  • In welche Richtung möchtest du dich jetzt weiterentwickeln?

Eine ganz besondere Atmosphäre

Es ist schwer zu beschreiben, was während einer Reflexion geschieht. Man muss sich einfach darauf einlassen und es erleben. Im Vorhinein und auf einer theoretischen Ebene kann man einiges problematisieren oder kritisch sehen. Insbesondere Mitarbeiter oder Mitarbeiterinnen, die zum ersten Mal mitmachen, können leicht genügend Dinge finden, die in ihrem Kopf Unbehagen oder gar Angst produzieren. Machen sie eine Reflexion mit, erleben sie was völlig anderes.In dem sicheren Raum der Reflexion entsteht ein Energiefeld geprägt von Wertschätzung und Verbundenheit. Jetzt kann Feedback leicht angenommen werden und zur persönlichen selbstbestimmten Weiterentwicklung führen. Die Teilnehmer können das viel besser beschreiben.

      Feedback über Feedback

      Am Ende jeder Reflexion machen wir noch kurz einen Check Out: Wie hast du die Methode empfunden? War das Feedback für dich hilfreich? Zitate, die wir aus unterschiedlichen Reflexionen zusammengetragen haben:

      • "Ich hab noch nie sowas Esoterisches, Hippiemäßiges gemacht, war richtig gut"
      • "Bin fast berauscht über so viel konstruktives schönes Feedback - bekommt man sonst nie.
      • "Man sagt Sachen, die man sich sonst nie sagen würde ... und das wäre schade"
      • "Stärkt das Vertrauensverhältnis im Team"
      • "Das ist Balsam!"
      • "Tut gut - so Feedback zu bekommen."
      • "Kritik wird zur Ermutigung. Und ich kann sie annehmen"
      • "Diese konstruktive Vision dabei ist großartig: Wir helfen uns gegenseitig dabei besser werden.”
      Timo Wirth beim Design Thinking Workshop

      Timo Wirth ist spezialisiert auf empathische Organisationsentwicklung und bei interactive tools Programm Director für interdisziplinäre Zusammenarbeit und agiler Coach.

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